Die erfolgreichste Frau der NASCAR Euro Series lässt im Interview mit 'Leftturnsonly.de' tief blicken und verrät, warum sie noch lange nicht am Ende ihres Rennfahrerdaseins ist
Keine Rennfahrerin ist mit der NASCAR Euro Series so zu assoziieren wie Arianna Casoli. Die Italienerin ist seit 2016 Teil der europäischen NASCAR-Liga, feierte unzählige Erfolge und stellte Rekorde auf, die wohl so schnell keiner brechen wird. Kurzum: Die 51-Jährige ist jetzt schon eine Ikone des Sports.
Casoli erklärt, was sie antreibt, ihre Karriere fortzuführen, welche Ziele sie hat, warum sie an SpeedHouse Racing festhält und warum sie hofft, ein gutes Vorbild zu sein. Des Weiteren spricht sie über den Nachwuchs im Motorsport, ihr Debüt in Brasilien und warum der Gaststart eine "Ehre" gewesen ist sowie welche Tipps sie ihrem jüngeren Rennfahrer-Ich mit auf den Weg geben würde.
LTO: Arianna, du fährst seit 2016 in der NASCAR Euro Series. Woher kommt die Motivation, nach all den Jahren weiterzumachen?
Arianna Casoli: Der Motorsport ist ein Teil meines Lebens. Ich bin in einem Motorsport-Umfeld aufgewachsen und habe die Leidenschaft sowie die Arbeit meines Vaters verfolgt, von den nationalen Meisterschaften bis zur Formel 1 in den 1980er Jahren. Zu Beginn war das Rennfahren eher eine Neugier, das Gefühl zu entdecken, Teil der Show zu sein. Ich dachte nie, dass ich eine zweite Chance bekommen würde, den Traum in einem ungewöhnlichen Rennfahreralter leben zu dürfen.
Zurück auf der Strecke zu sein, hat mir die Chance gegeben, mein Leben zu ändern, als Person zu wachsen, Neues zu lernen und mich zu "erneuern." Das ist eine große Motivation, weil es im Motorsport nicht nur darum geht, hin und wieder auf der Rennstrecke zu fahren, sondern auch viel hinter den Kulissen zu tun ist. Wenn man an einer Meisterschaft wie der NASCAR Euro Series teilnimmt, wird man Teil von etwas Größerem: der NASCAR-Community.
LTO: Du hast letztes Jahr einen ganz besonderen Meilenstein erreicht. Erzähl uns etwas darüber...
Casoli: Letztes Jahr habe ich in Oschersleben mit meinem 100. Rennen eine unglaubliche Zahl erreicht. Das ist eine Zahl, die für mich fast undenkbar gewesen wäre. Ich wollte eigentlich immer nur ein paar Rennen fahren, Neues lernen und Spaß haben.
LTO: Du wirst 2025 um deinen sechsten Titel in der Lady Trophy fahren. Was wird nötig sein, um sie zu gewinnen?
Casoli: Es gibt leider in der Serie nicht so viele Fahrerinnen und im Moment haben wir noch keine endgültige Nennliste (für die Saison, Anm.). Ich werde auf jeden Fall daran arbeiten, meine Leistung zu verbessern und die Rennen zu beenden. Die Meisterschaft ist eine lange und am Ende zählt jeder Punkt, vor allem in den "Finals", wenn es doppelte Punkte gibt.
LTO: Abgesehen von der Lady Trophy: Was sind deine Ziele für die Open-Meisterschaft?
Casoli: Ich will, wie immer, mein Bestes geben. Die Open-Klasse wächst jedes Jahr, genauso wie die Pro-Klasse. Es fahren Damen gegen erfahrene Gentleman und sehr starke Rookies. Das Ziel ist, Punkte zu sammeln und die Rennen zu beenden.
LTO: Du hast einmal mehr deinen Vertrag bei SpeedHouse Racing verlängert. Das wird deine vierte Saison beim französischen Team sein. Was macht es so besonders für dich?
Casoli: SpeedHouse Racing ist ein großartiges Team. Ich glaube an das Projekt von Lucas Lasserre. Er hat sehr viel Erfahrung und eine großartige Karriere als Pro-Fahrer. Das ermöglicht ihm, als Teambesitzer und -koordinator sowie als Coach einen 360-Grad-Blickwinkel zu haben. Er weiß, wie er die Fahrer unterstützen und ihnen helfen kann, die richtigen Schritte zu unternehmen, um zu wachsen und sich zu verbessern.
Da er selbst ein Fahrer mit großem technischem Wissen ist, führt es immer zu einem perfekt ausbalancierten Auto, das bei Bedarf leicht an unseren Fahrstil angepasst werden kann. Und auch persönlich ist das gesamte Team eine perfekte Mischung, wir haben eine großartige Zeit zusammen an der Rennstrecke. Das scheint vielleicht eine Nebensache zu sein, aber von Profis umgeben zu sein, denen man vertrauen kann, die aber auch gute Freunde für ein Gespräch oder ein Lachen sind, erleichtert das gesamte Wochenende.
LTO: Du bist eine von vielen italienischen Fahrern im Starterfeld. Würdest du sagen, es gibt in deiner Heimat einen NASCAR-Hype?
Casoli: Nun, NASCAR hat den Reiz des amerikanischen Traums und die Italiener sind Träumer, die Motorsport lieben. Daher denke ich, dass es eine perfekte Mischung ist. Die NASCAR Euro Series ist #PureRacing, Kämpfe während der Rennen, gepaart mit einem freundlichen Paddock, offenen Boxen und Shows während des gesamten Wochenendes für alle Fans. Dadurch haben wir eine große Community, die durch Europa reist. Ich denke, das ist es etwas Besonderes, das nur NASCAR hat.
LTO: Bleiben wir bei Italien: Wie schätzt du die Nachwuchsarbeit im Motorsport ein? Siehst du eine gesunde Zukunft für junge Talente?
Casoli: Das Thema ist zu groß, um es im Detail zu analysieren. Abgesehen von meiner Rennfahrerkarriere, in der ich das Paddock und die Strecke mit einer Bandbreite von Generationen teile, arbeite ich auch als Grafikdesignerin und Medienfrau für ein italienisches TCR- und GT-Team. Es gibt viele junge Talente, sowohl auf der technischen Seite als auch bei den Fahrern, die zusammenarbeiten und wachsen.
Der Motorsport fordert Opfer, Engagement, Professionalität, Talent und viel Leidenschaft. Menschen, die eine Karriere in dieser Welt, egal in welcher Rolle, anstreben, müssen hart arbeiten und ihrer Leidenschaft folgen, dabei die Demut und Widerstandsfähigkeit haben, die es ihnen ermöglicht, zu lernen und sich zu verbessern. Es ist letztlich wie in jeder Lebenssituation: Ein erreichtes Ziel ist normalerweise der Beginn eines neuen Kapitels, in dem man wieder ein Anfänger ist.
Wie du in der Formel 1 gesehen hast, gibt es in diesem Jahr viele Talente aus den Nachwuchsklassen. Sie alle haben sich hochgearbeitet, um auf die größte Bühne zu kommen. Für die Rookies ist es wie der erste Tag in der Schule, an dem sie neu lernen müssen. Ich bin vor allem beeindruckt von der Leistung von Andrea Kimi Antonelli. Er ist ein großartiges Beispiel für die junge Generation. Er hat eine großartige Qualität und zeigt die richtige Professionalität und Einstellung.
Meine Meinung ist daher, dass die Zukunft immer glänzend ist, wenn man den richtigen Schritt macht. Egal, ob Junge oder Mädchen, mein Rat ist einfach: Arbeite hart und gib niemals deine Träume oder Leidenschaft auf.
LTO: Siehst du dich als ein Vorbild für junge, talentierte Fahrer, besonders für junge Frauen?
Casoli: Ich versuche mein Bestes, um ein gutes Vorbild zu sein, aber es ist manchmal nicht so einfach. Besonders auf der weiblichen Seite ist Motorsport in jedem Alter und in jeder Rolle schwierig. Frauen leisten großartige Arbeit, um in einer Männerwelt akzeptiert zu werden, in der es sehr einfach ist, den Vorurteilen nachzugeben oder Stereotypen mehr Glauben zu schenken als den eigenen Fähigkeiten. Zu zeigen, dass Unterschiede da sind, die aber ohne Korrekturen im Motorsport gemanagt werden können, ist riesig.
Zu zeigen, dass es nicht das Ende ist, wenn man aus einer "älteren" Generation stammt, sondern dass man vielleicht seine Erwartungen anpassen und härter arbeiten muss, um nicht aufzugeben. Und dass viele Träume und Leidenschaften mit Entschlossenheit und Arbeit verwirklicht werden können. Ich denke, wenn das der Fall ist, dann ja. Ich mag die Idee, als Vorbild gesehen zu werden, und hoffe, dass ich einen Präzedenzfall für die Integration auch zwischen verschiedenen Generationen setzen kann.
Ich würde denjenigen, die denken, dass das Geschlecht oder das Alter eine Barriere ist, gerne einen Anstoß geben, es zu durchbrechen.
LTO: Du bist letztes Jahr nicht nur in der europäischen, sondern auch in der brasilianischen Serie gefahren und hast in Curvelo dein Brasilien-Debüt gegeben. Erzähl uns, wie war es?
Casoli: Für mich war es eine Ehre und eine großartige Herausforderung. In gewisser Weise habe ich in Curvelo Geschichte geschrieben, nicht nur als erste Frau überhaupt in der NASCAR Brasil Series, sondern auch als erste Frau in der Meisterschaft auf einem Oval zu fahren. Das war eine großartige Erfahrung. Ich habe durch die Arbeit meines Vaters eine tiefe Verbindung zu Brasilien, die die Familie oft dorthin führte, aber auch aufgrund einiger Ereignisse, die mit einem Allergieproblem zu tun haben, das ich mit einem brasilianischen Forscher behandel.
Als Thiago Marques mich eine Woche vor dem Rennen angerufen hat, dass alles dank einiger Sponsoren, darunter auch Pirelli und NASCAR International, geregelt sei, konnte ich es kaum glauben. Mein Traum wurde Realität! Und dann ging so schnell, ich habe das wohl erst nach dem Rennen so richtig begriffen. Es gab so viele Dinge, die ich lernen musste, vor allem das Auto. Es ist komplett anders als das, was wir in Europa fahren. Ich musste mich an das neue Umfeld mit neuen Leuten und einem gewissen "Druck" gewöhnen.
Aber die Professionalität, die Freundschaften und die Hilfe, die ich von der Serie und allen Fahrern bekommen habe, waren unglaublich. Ich fühlte mich sofort wie zu Hause, als ich an die Strecke gekommen bin. Es ist schwierig, so ein tiefes Gefühl zu beschreiben, dafür reichen auch tausend Worte nicht. Das war eines der besten Erlebnisse meines Lebens.
LTO: Was sind deine Gedanken zur NASCAR Brasil Series? Wirst du auch 2025 starten?
Casoli: Ich liebe die Serie. Thiago (Marques, Anm.) ist ein großartiger Profi, der die richtigen Schritte unternimmt und großartige Arbeit leistet, um ein unglaubliches Umfeld in Brasilien zu schaffen. Ich bin mir sicher, dass die Serie schnell wachsen wird. Denn Brasilien war schon immer ein Land der großen Talente, also ist das Wettbewerbsniveau ganz weit oben und wird zum Wachstum und Interesse beitragen. Die Serie wird Möglichkeiten schaffen, den Weg in die USA gehen zu können.
Offen gesagt würde ich mir wünschen, wieder in Brasilien zu fahren. Ich arbeite sehr hart daran, aber mal sehen, was wird. Die Daumen sind gedrückt.
LTO: Hast du Ziele, eines Tages in den USA ARCA oder NASCAR zu fahren?
Casoli: Das ist der nächste große Traum, den ich habe. Vielleicht wäre der erste Schritt, mit den Pro Late Models auf den Ovalen zu fahren, um mit einem Auto zu lernen, das ähnlich zu dem aus der NASCAR Euro Series ist. Es ist wie immer: Wenn es die Chancen für den nächsten großen Sprung gibt, warum nicht?! Ich liebe jede Art Herausforderung.
LTO: Blicken wir auf die Anfänge deiner Karriere zurück: Welche drei Dinge hast du im Laufe der Jahre gelernt, die du dem Rookie-Ich aus dem Jahr 2016 mit auf den Weg geben würdest?
Casoli: Das ist eine gute Frage. Ich habe mich seitdem so sehr verändert. Was ich sagen kann, ist: Sei widerstandsfähig, es wird Höhen und Tiefen geben und du solltest lernen, nie aufzugeben, denn nur weil es jetzt keine Lösung gibt, heißt es nicht, dass später keine geben wird. Lerne zu sprechen und zu fragen, ohne dabei Angst zu haben. Manchmal ist es besser, den "richtigen Moment" abzuwarten, aber tue es dennoch. Sich selbst zu erklären, die Wahrheit zu sagen und die Meinung auf die richtige Weise auszudrücken, hilft Missverständnisse zu vermeiden und nicht unterbewertet zu werden.
Es hilft dir, zu wachsen, weil man lernen und Meinungen teilen kann. Manchmal führt es sonst dazu, dass man Dinge versteckt und sie zu sehr für sich behält, was Probleme nicht löst und dadurch gute Chancen verpasst werden. Setze dich selbst an die erste Stelle, auch wenn es unmöglich scheint, aber auf die richtige Weise, und umgebe dich mit Menschen, die dir vertrauen. Wenn du glücklich bist, werden selbst die härtesten Herausforderungen des Lebens einfacher.
LTO: Welche drei Tipps hast du für junge Fahrer, die zum ersten Mal in der NASCAR Euro Series starten?
Casoli: Wahrscheinlich dasselbe, was ich mir selbst hätte sagen sollen: Sei neugierig genug, um zu lernen und zuzuhören, um zu verstehen, was passiert. Sei demütig und ehrlich, es wird immer jemanden geben, der dich nicht mag, aber du wirst immer mit dir selbst im Reinen sein. Stelle dich der Welt mit Entschlossenheit und dem größten Lächeln, das du hast. Sei so freundlich wie möglich. Das wird deiner Stimmung und der Stimmung der Menschen um dich herum helfen, das Beste zu geben, um deine Ziele zu erreichen.
LTO: Zum Abschluss: Was sind die stolzesten Momente deiner Karriere?
Casoli: Die Fähigkeit, meine Ängste zu überwinden und neue Herausforderungen anzunehmen, sowohl auf als auch neben der Strecke. Es geht nicht nur um Leistung. Sicherlich gibt es einen riesigen Adrenalinkick, wenn man Herausforderungen überwindet.
Ein weiterer Moment ist, die erste Frau zu sein, die in der NASCAR Brasil Series gefahren ist. Brasilien ist zwar nicht mein Heimatland, aber ein Teil meines Herzens. Die Möglichkeit zu haben, dort zu sein, war als Frau und als Fahrerin riesig. Ich denke, ich habe gezeigt, dass es möglich ist, zu träumen und es zu tun.
Und definitiv gehört auch dazu, Familien an der Rennstrecke zu treffen, die zu mir kommen und ihren Kindern sagen: "Siehst du? Sie ist eine Frau, wie deine Mama, und sie tut es!" Es macht mich so stolz, ihre Geschichen zu hören, dass sie ihre Leidenschaften verfolgen und versuchen, ihre Träume zu erreichen.
Mit Bildmaterial von NASCAR Euro Series/Bart Dehaese
Keine Rennfahrerin ist mit der NASCAR Euro Series so zu assoziieren wie Arianna Casoli. Die Italienerin ist seit 2016 Teil der europäischen NASCAR-Liga, feierte unzählige Erfolge und stellte Rekorde auf, die wohl so schnell keiner brechen wird. Kurzum: Die 51-Jährige ist jetzt schon eine Ikone des Sports.
Casoli erklärt, was sie antreibt, ihre Karriere fortzuführen, welche Ziele sie hat, warum sie an SpeedHouse Racing festhält und warum sie hofft, ein gutes Vorbild zu sein. Des Weiteren spricht sie über den Nachwuchs im Motorsport, ihr Debüt in Brasilien und warum der Gaststart eine "Ehre" gewesen ist sowie welche Tipps sie ihrem jüngeren Rennfahrer-Ich mit auf den Weg geben würde.
LTO: Arianna, du fährst seit 2016 in der NASCAR Euro Series. Woher kommt die Motivation, nach all den Jahren weiterzumachen?
Arianna Casoli: Der Motorsport ist ein Teil meines Lebens. Ich bin in einem Motorsport-Umfeld aufgewachsen und habe die Leidenschaft sowie die Arbeit meines Vaters verfolgt, von den nationalen Meisterschaften bis zur Formel 1 in den 1980er Jahren. Zu Beginn war das Rennfahren eher eine Neugier, das Gefühl zu entdecken, Teil der Show zu sein. Ich dachte nie, dass ich eine zweite Chance bekommen würde, den Traum in einem ungewöhnlichen Rennfahreralter leben zu dürfen.
Zurück auf der Strecke zu sein, hat mir die Chance gegeben, mein Leben zu ändern, als Person zu wachsen, Neues zu lernen und mich zu "erneuern." Das ist eine große Motivation, weil es im Motorsport nicht nur darum geht, hin und wieder auf der Rennstrecke zu fahren, sondern auch viel hinter den Kulissen zu tun ist. Wenn man an einer Meisterschaft wie der NASCAR Euro Series teilnimmt, wird man Teil von etwas Größerem: der NASCAR-Community.
LTO: Du hast letztes Jahr einen ganz besonderen Meilenstein erreicht. Erzähl uns etwas darüber...
Casoli: Letztes Jahr habe ich in Oschersleben mit meinem 100. Rennen eine unglaubliche Zahl erreicht. Das ist eine Zahl, die für mich fast undenkbar gewesen wäre. Ich wollte eigentlich immer nur ein paar Rennen fahren, Neues lernen und Spaß haben.
LTO: Du wirst 2025 um deinen sechsten Titel in der Lady Trophy fahren. Was wird nötig sein, um sie zu gewinnen?
Casoli: Es gibt leider in der Serie nicht so viele Fahrerinnen und im Moment haben wir noch keine endgültige Nennliste (für die Saison, Anm.). Ich werde auf jeden Fall daran arbeiten, meine Leistung zu verbessern und die Rennen zu beenden. Die Meisterschaft ist eine lange und am Ende zählt jeder Punkt, vor allem in den "Finals", wenn es doppelte Punkte gibt.
LTO: Abgesehen von der Lady Trophy: Was sind deine Ziele für die Open-Meisterschaft?
Casoli: Ich will, wie immer, mein Bestes geben. Die Open-Klasse wächst jedes Jahr, genauso wie die Pro-Klasse. Es fahren Damen gegen erfahrene Gentleman und sehr starke Rookies. Das Ziel ist, Punkte zu sammeln und die Rennen zu beenden.
LTO: Du hast einmal mehr deinen Vertrag bei SpeedHouse Racing verlängert. Das wird deine vierte Saison beim französischen Team sein. Was macht es so besonders für dich?
Casoli: SpeedHouse Racing ist ein großartiges Team. Ich glaube an das Projekt von Lucas Lasserre. Er hat sehr viel Erfahrung und eine großartige Karriere als Pro-Fahrer. Das ermöglicht ihm, als Teambesitzer und -koordinator sowie als Coach einen 360-Grad-Blickwinkel zu haben. Er weiß, wie er die Fahrer unterstützen und ihnen helfen kann, die richtigen Schritte zu unternehmen, um zu wachsen und sich zu verbessern.
Da er selbst ein Fahrer mit großem technischem Wissen ist, führt es immer zu einem perfekt ausbalancierten Auto, das bei Bedarf leicht an unseren Fahrstil angepasst werden kann. Und auch persönlich ist das gesamte Team eine perfekte Mischung, wir haben eine großartige Zeit zusammen an der Rennstrecke. Das scheint vielleicht eine Nebensache zu sein, aber von Profis umgeben zu sein, denen man vertrauen kann, die aber auch gute Freunde für ein Gespräch oder ein Lachen sind, erleichtert das gesamte Wochenende.
LTO: Du bist eine von vielen italienischen Fahrern im Starterfeld. Würdest du sagen, es gibt in deiner Heimat einen NASCAR-Hype?
Casoli: Nun, NASCAR hat den Reiz des amerikanischen Traums und die Italiener sind Träumer, die Motorsport lieben. Daher denke ich, dass es eine perfekte Mischung ist. Die NASCAR Euro Series ist #PureRacing, Kämpfe während der Rennen, gepaart mit einem freundlichen Paddock, offenen Boxen und Shows während des gesamten Wochenendes für alle Fans. Dadurch haben wir eine große Community, die durch Europa reist. Ich denke, das ist es etwas Besonderes, das nur NASCAR hat.
LTO: Bleiben wir bei Italien: Wie schätzt du die Nachwuchsarbeit im Motorsport ein? Siehst du eine gesunde Zukunft für junge Talente?
Casoli: Das Thema ist zu groß, um es im Detail zu analysieren. Abgesehen von meiner Rennfahrerkarriere, in der ich das Paddock und die Strecke mit einer Bandbreite von Generationen teile, arbeite ich auch als Grafikdesignerin und Medienfrau für ein italienisches TCR- und GT-Team. Es gibt viele junge Talente, sowohl auf der technischen Seite als auch bei den Fahrern, die zusammenarbeiten und wachsen.
Der Motorsport fordert Opfer, Engagement, Professionalität, Talent und viel Leidenschaft. Menschen, die eine Karriere in dieser Welt, egal in welcher Rolle, anstreben, müssen hart arbeiten und ihrer Leidenschaft folgen, dabei die Demut und Widerstandsfähigkeit haben, die es ihnen ermöglicht, zu lernen und sich zu verbessern. Es ist letztlich wie in jeder Lebenssituation: Ein erreichtes Ziel ist normalerweise der Beginn eines neuen Kapitels, in dem man wieder ein Anfänger ist.
Wie du in der Formel 1 gesehen hast, gibt es in diesem Jahr viele Talente aus den Nachwuchsklassen. Sie alle haben sich hochgearbeitet, um auf die größte Bühne zu kommen. Für die Rookies ist es wie der erste Tag in der Schule, an dem sie neu lernen müssen. Ich bin vor allem beeindruckt von der Leistung von Andrea Kimi Antonelli. Er ist ein großartiges Beispiel für die junge Generation. Er hat eine großartige Qualität und zeigt die richtige Professionalität und Einstellung.
Meine Meinung ist daher, dass die Zukunft immer glänzend ist, wenn man den richtigen Schritt macht. Egal, ob Junge oder Mädchen, mein Rat ist einfach: Arbeite hart und gib niemals deine Träume oder Leidenschaft auf.
LTO: Siehst du dich als ein Vorbild für junge, talentierte Fahrer, besonders für junge Frauen?
Casoli: Ich versuche mein Bestes, um ein gutes Vorbild zu sein, aber es ist manchmal nicht so einfach. Besonders auf der weiblichen Seite ist Motorsport in jedem Alter und in jeder Rolle schwierig. Frauen leisten großartige Arbeit, um in einer Männerwelt akzeptiert zu werden, in der es sehr einfach ist, den Vorurteilen nachzugeben oder Stereotypen mehr Glauben zu schenken als den eigenen Fähigkeiten. Zu zeigen, dass Unterschiede da sind, die aber ohne Korrekturen im Motorsport gemanagt werden können, ist riesig.
Zu zeigen, dass es nicht das Ende ist, wenn man aus einer "älteren" Generation stammt, sondern dass man vielleicht seine Erwartungen anpassen und härter arbeiten muss, um nicht aufzugeben. Und dass viele Träume und Leidenschaften mit Entschlossenheit und Arbeit verwirklicht werden können. Ich denke, wenn das der Fall ist, dann ja. Ich mag die Idee, als Vorbild gesehen zu werden, und hoffe, dass ich einen Präzedenzfall für die Integration auch zwischen verschiedenen Generationen setzen kann.
Ich würde denjenigen, die denken, dass das Geschlecht oder das Alter eine Barriere ist, gerne einen Anstoß geben, es zu durchbrechen.
LTO: Du bist letztes Jahr nicht nur in der europäischen, sondern auch in der brasilianischen Serie gefahren und hast in Curvelo dein Brasilien-Debüt gegeben. Erzähl uns, wie war es?
Casoli: Für mich war es eine Ehre und eine großartige Herausforderung. In gewisser Weise habe ich in Curvelo Geschichte geschrieben, nicht nur als erste Frau überhaupt in der NASCAR Brasil Series, sondern auch als erste Frau in der Meisterschaft auf einem Oval zu fahren. Das war eine großartige Erfahrung. Ich habe durch die Arbeit meines Vaters eine tiefe Verbindung zu Brasilien, die die Familie oft dorthin führte, aber auch aufgrund einiger Ereignisse, die mit einem Allergieproblem zu tun haben, das ich mit einem brasilianischen Forscher behandel.
Als Thiago Marques mich eine Woche vor dem Rennen angerufen hat, dass alles dank einiger Sponsoren, darunter auch Pirelli und NASCAR International, geregelt sei, konnte ich es kaum glauben. Mein Traum wurde Realität! Und dann ging so schnell, ich habe das wohl erst nach dem Rennen so richtig begriffen. Es gab so viele Dinge, die ich lernen musste, vor allem das Auto. Es ist komplett anders als das, was wir in Europa fahren. Ich musste mich an das neue Umfeld mit neuen Leuten und einem gewissen "Druck" gewöhnen.
Aber die Professionalität, die Freundschaften und die Hilfe, die ich von der Serie und allen Fahrern bekommen habe, waren unglaublich. Ich fühlte mich sofort wie zu Hause, als ich an die Strecke gekommen bin. Es ist schwierig, so ein tiefes Gefühl zu beschreiben, dafür reichen auch tausend Worte nicht. Das war eines der besten Erlebnisse meines Lebens.
LTO: Was sind deine Gedanken zur NASCAR Brasil Series? Wirst du auch 2025 starten?
Casoli: Ich liebe die Serie. Thiago (Marques, Anm.) ist ein großartiger Profi, der die richtigen Schritte unternimmt und großartige Arbeit leistet, um ein unglaubliches Umfeld in Brasilien zu schaffen. Ich bin mir sicher, dass die Serie schnell wachsen wird. Denn Brasilien war schon immer ein Land der großen Talente, also ist das Wettbewerbsniveau ganz weit oben und wird zum Wachstum und Interesse beitragen. Die Serie wird Möglichkeiten schaffen, den Weg in die USA gehen zu können.
Offen gesagt würde ich mir wünschen, wieder in Brasilien zu fahren. Ich arbeite sehr hart daran, aber mal sehen, was wird. Die Daumen sind gedrückt.
LTO: Hast du Ziele, eines Tages in den USA ARCA oder NASCAR zu fahren?
Casoli: Das ist der nächste große Traum, den ich habe. Vielleicht wäre der erste Schritt, mit den Pro Late Models auf den Ovalen zu fahren, um mit einem Auto zu lernen, das ähnlich zu dem aus der NASCAR Euro Series ist. Es ist wie immer: Wenn es die Chancen für den nächsten großen Sprung gibt, warum nicht?! Ich liebe jede Art Herausforderung.
LTO: Blicken wir auf die Anfänge deiner Karriere zurück: Welche drei Dinge hast du im Laufe der Jahre gelernt, die du dem Rookie-Ich aus dem Jahr 2016 mit auf den Weg geben würdest?
Casoli: Das ist eine gute Frage. Ich habe mich seitdem so sehr verändert. Was ich sagen kann, ist: Sei widerstandsfähig, es wird Höhen und Tiefen geben und du solltest lernen, nie aufzugeben, denn nur weil es jetzt keine Lösung gibt, heißt es nicht, dass später keine geben wird. Lerne zu sprechen und zu fragen, ohne dabei Angst zu haben. Manchmal ist es besser, den "richtigen Moment" abzuwarten, aber tue es dennoch. Sich selbst zu erklären, die Wahrheit zu sagen und die Meinung auf die richtige Weise auszudrücken, hilft Missverständnisse zu vermeiden und nicht unterbewertet zu werden.
Es hilft dir, zu wachsen, weil man lernen und Meinungen teilen kann. Manchmal führt es sonst dazu, dass man Dinge versteckt und sie zu sehr für sich behält, was Probleme nicht löst und dadurch gute Chancen verpasst werden. Setze dich selbst an die erste Stelle, auch wenn es unmöglich scheint, aber auf die richtige Weise, und umgebe dich mit Menschen, die dir vertrauen. Wenn du glücklich bist, werden selbst die härtesten Herausforderungen des Lebens einfacher.
LTO: Welche drei Tipps hast du für junge Fahrer, die zum ersten Mal in der NASCAR Euro Series starten?
Casoli: Wahrscheinlich dasselbe, was ich mir selbst hätte sagen sollen: Sei neugierig genug, um zu lernen und zuzuhören, um zu verstehen, was passiert. Sei demütig und ehrlich, es wird immer jemanden geben, der dich nicht mag, aber du wirst immer mit dir selbst im Reinen sein. Stelle dich der Welt mit Entschlossenheit und dem größten Lächeln, das du hast. Sei so freundlich wie möglich. Das wird deiner Stimmung und der Stimmung der Menschen um dich herum helfen, das Beste zu geben, um deine Ziele zu erreichen.
LTO: Zum Abschluss: Was sind die stolzesten Momente deiner Karriere?
Casoli: Die Fähigkeit, meine Ängste zu überwinden und neue Herausforderungen anzunehmen, sowohl auf als auch neben der Strecke. Es geht nicht nur um Leistung. Sicherlich gibt es einen riesigen Adrenalinkick, wenn man Herausforderungen überwindet.
Ein weiterer Moment ist, die erste Frau zu sein, die in der NASCAR Brasil Series gefahren ist. Brasilien ist zwar nicht mein Heimatland, aber ein Teil meines Herzens. Die Möglichkeit zu haben, dort zu sein, war als Frau und als Fahrerin riesig. Ich denke, ich habe gezeigt, dass es möglich ist, zu träumen und es zu tun.
Und definitiv gehört auch dazu, Familien an der Rennstrecke zu treffen, die zu mir kommen und ihren Kindern sagen: "Siehst du? Sie ist eine Frau, wie deine Mama, und sie tut es!" Es macht mich so stolz, ihre Geschichen zu hören, dass sie ihre Leidenschaften verfolgen und versuchen, ihre Träume zu erreichen.
Mit Bildmaterial von NASCAR Euro Series/Bart Dehaese